• WIRsein

Am 30. August 1999 starb der Marokkaner Rahid Sbaai in einer Arrastzelle des Abschiebeknastes Büren. In seiner Zelle brach ein Feuer auf und er, sowie ein benachbarter Häftling, drückten mehrer Male den Alarmknopf. Doch die Notruf-Leitstelle war nich besetzt. Die Hilferrufe verhallten. Er starb qualvoll.

Die Inhaftierung dient ausschließlich der „Sicherstellung der Abschiebung“. Diese Menschen sitzen nicht dort, weil sie ein Vebrechen begangen haben, „dass verfolgt werden muss“, sondern um ein bürokratisches Verfahren zu vereinfachen!

Wo beginnt Quälerei? Es kommt immer wieder zu Suiziden unter den verzweifelten Häftlingen, die einfach nicht verstehen können, warum sie dort sind.
Sie sind geflüchtet vor Krieg, Krisen, Diktatur, aus Ländern, die keine medizinische Versorgung gewähren können, keinen Schutz der Menschrechte, keine Ernährungssicherheit.
Die meisten Häftlinge kommen aus Afrika (vgl. „Was sollen wir tun“, Blogeintrag vom 31aug08) Die Kriterien um Asyl in Deutschland zu bekommen, sind äußerst angreifbar!

Weitere Ausführungen benötigen mehr Recherche, die ich auf Nachfrage gerne durchführe! Meine Informationen beziehe ich hauptsächlich vom AK Asyl e.V., eine unabhängige Beratungsstelle für Flüchtlinge und illegalisierte Menschen, die mit den Erfahrungen der Menschen in Abschiebeknästen direkt konfrontiert sind.


• WIRsein

Wieso existiert nach Demos immer diese Wut im Bauch? In Bürden wurde heute gegen den Abschiebeknast demonstriert. Eine kleine Empörung über das Geschehen. Menschen, deren einziges Vergehen es ist, keinen Pass zu besitzen, werden erniedrigt und gequält. Das alles passiert in einem Staat, deren demokratische Fassade an keiner Stelle deutlicher bröselt, als in hinter den Zäunen der Abschiebeknäste. Wo ist die Öffentlichkeit? Das Thema Gerechtigkeit floriert, aber vergessen werden diejenigen, die die Chance, dass ihnen Gerechtigkeit wiederfahren könnte, in dem Moment verspielt haben, als sie auf dem falschen Fleck der Erde geboren wurden. In welchem Land leben wir? Um ein bürokratisches Verfahren -Abschiebung- zu erleichtern, werden Menschen, die in der Regel in ihrem Leben keine einzige Straftat begangen haben, eingesperrt und verprügelt. Ihr einziges Verbrechen: die Flucht aus ihrem Heimatland in ein „demokratisches“ (Deutsch)Land. Hin und wieder stirbt jemand aus ungeklärten Gründen. Vielleicht bedarf es dieser Wut im Bauch um Kraft zu schöpfen und zu wissen, warum die Welt einem keine andere Wahl lässt, als sich gegen solche Dinge zu engagieren. Hartnäckig.


• LEBENDIGsein

Die Welt um sie herum wird zur flüchtigen Angelegenheit. Da draußen befindet sich etwas im Umbruch – ob wir daran teilhaben, erscheint bedeutungslos. Das Internet liefert die Information in Echtzeit! Doch an diesem Morgen ist sie aufgestanden um auf Demos Seifenblasen zu pusten. Der Duft der Veränderung, das Lächeln einer Masse, die sich zusammengefunden hat um Straßen und Gleise zu blockieren – für das Gute in der Welt. Seifenblasen, Transpis und Trillerpfeifen sind die modernen Waffen ihres Geistes! Sie streiken für den Geist!
Sie rennt entlang der Straße, die Treppen hinauf und hinunter – bloß nichts verpassen. Im nächsten Moment schon könnte die Welt wieder still stehen – für einen Moment und unbemerkt für den Rest der Welt.
Eine flüchtige Erinnerung. Unbemerkt. Sie sitzt mit Einbruch der Dunkelheit – selten und doch – alleine vor dem Laptop. Auf der Suche nach der Information über die Welt, deren Treiben sie gerade verpasst. Liebe? Wahrheit? Seifenblasen?
In der Hoffnung irgendetwas zu erfahren, was von Bedeutung ist und doch so unwichtig, dass die Aufmerksamkeit genauso gut auf etwas/jemanden anderes/anderen gerichtet werden könnte.
Sie klickt sich durch StudiVZ- Seiten. Vielleicht findet sich die Erkenntnis ja in einem „Lieblingszitat“: zum Beispiel „merkt man (oft) nicht, wenn sich eine Tür schließt, dass sich eine andere öffnet.“ Mit einem Klick öffnet sich die Tür, die Einblick gibt in ein „Myspace“-Portal, wo ihr der Kerl von gestern Abend, Zähne putzend und mit einem Lächeln, zeigt: Das bin ich.
Wo ist nur das bindende Element, dass sich nicht verflüchtigen wird, sobald sie es berührt? Die mediale Welt kompensiert, was die Realität längst verrät: alle Antworten können jederzeit revidiert werden! Die Wahrheit, die wir von der Lüge unterscheiden, die Menschen, denen wir begegnen und die Orte, an denen wir leben sind nur Übergangspunkte. Das Leben eine Übergangszeit! Wir können zurückkehren, aber nicht ohne dass wir alles verändert vorfinden!
Es fehlt die Konstante- das Leben experimentell gelebt- ohne Ehepartner, Eigenheim und Festanstellung. Alles bewusst nicht in Aussicht gestellt!
Es existieren unbegrenzte Möglichkeiten. Wir sind mittendrin- unabhängig und individuell. Alles ist austauschbar, alles ist besser möglich- schlechter aber auch.
Man darf wählen! Ihr Weg führte hinein in eine beschauliche Zweisamkeit, aus der sie nicht schlau wurde – bis auf weiteres- , und hinein in eine demonstrierende Masse, die im Wechsel von Hunger und Staat auseinander getrieben wurde. Am Ende stand jeder für sich allein- die bittere Pille der Freiheit.


• LEBENDIGsein

Es sollte sich wie Urlaub anfühlen. Doch er fehlt mir.
Wo ich auch hin kam, schien die Sonne. Der Atlantik zeigte sich von seiner schönsten Seite, dort, wo die Felsen alles überragen und die Sonne in einem Feuerwerk von Farben unter geht. Wenn man vor dieser Kulisse zu französischem Käse und Baguette greift und seine Liebe zu Wein entdeckt, dann sollte der Moment perfekt sein. Der Moment verwirklichte ein Bild in meinem Kopf, das sich aus anderer Leute Geschichten, Filmen und Bildern der Werbeindustrie zu einer Träumerei zusammengesetzt hatte. Es war wirklich hübsch. Wir lauschten dem Rauschen des Meeres und beobachteten den Lauf der Wellen, als wenn sie uns die Wahrheit über das Leben mitteilen könnten. Ich war seltsam ruhig und gelassen. Lag es am Meer? An den Menschen um mich herum, mit denen ich mich so tief verbunden fühlte? Lag es an dem Gefühl so weit entfernt von allem zu sein? Das Geräusch von Industrie und Motoren dringt nicht vor bis zu diesem Ort.
In den Bergen schien die Sonne herab auf die Hänge, die ich bereits gut kannte. Ein Brett unter den Füßen, glitzernder Schnee, Musik in den Ohren (Subtle!), Sonne und die Bewegung, die in jeder Kurve das Gefühl imitiert, als würde einem zum fliegen verholfen. Ein großartiges Gefühl.
Es sind die Momente, die kurzen Momente des Glücks, die zerstört werden von der Sehnsucht solche Augenblicke mit ihm teilen zu wollen.
Es existierte etwas Magisches zwischen uns. Nun erscheint die Welt entzaubert. Die wunderbarsten Zeilen und Melodien erinnern noch daran. In dieser Welt ist die Chance verthan. Die Illusion gemeinsam dem Rauschen des Meeres zu lauschen und glücklich vereint der schneebedeckten Bergwelt gegenüberzustehen, lässt sich jedoch nicht aus meinem Kopf verdrängen. Was passiert jetzt?


• LEBENDIGsein

An diesem Morgen klingelt kein Wecker. Sie blickt aus ihrem Bett in den Himmel. Durch die Wolken hindurch blendet die Sonne die müden Augen. Der Mittag ist noch nicht angebrochen. Was würde der Tag bringen? Was sie empfand, war ein Gefühl, dass ihr neu war. Alles hatte so viel versprechend begonnen. Was ist passiert? Sie traf ihn und die Zeit stand still. Die Musik klingt noch deutlich nach. Während sie gemeinsam auf dem Bett lagen- sich einfach nur ansahen, festhielten- da erklangen die wunderbarsten Melodien, die je ein Mensch auf dieser Welt komponiert hatte. Sie gehörten ihnen: die Musik, der Augenblick, das Glück. Sie schritten gemeinsam durch die Wälder. Ruhelos. Sie erzählte- berührt, begeistert- von all den kleinen, großartigen Dingen in dieser Welt. Er lächelte. Was ist nur passiert? Der Moment glitt ihnen aus den Händen. Während sie darauf wartete, mit ihm die weite Welt zu erobern, kehrte er zurück in seine eigene Welt- eine einsame Welt, in der es für sie keinen Platz gibt. Dieser Morgen gibt noch keinen Grund her aufzustehen. Ihre Augen sind geschlossen. Sie weint geräuschlos vor sich hin. Auf der Suche nach einem Platz in der Welt, hatte sie sich in der Liebe verloren. Sie wusste nichts mehr- sie hatte alles vergessen. In den Momenten ohne ihn fühlt sie sich allein, in den Momenten mit ihm traurig. Er hatte ihr nicht nur einfach den Kopf verdreht, sondern das Gefühl gegeben, alles gefunden zu haben, wonach sie immer gesucht hatte- ein diffuses Gefühl, dass alles richtig ist. Das war ihr Gefühl! Es war nicht sein Gefühl! Sie liebte die Tragik bis die Tragik in ihre Liebe hinein brach. Sie hatte gerade begonnen zu lieben- die scheinbare Auslieferung an das große Glück der Welt. Sie ist verletzlicher wie nie zuvor. Keine Frucht. Keine Wut. Keine Fehler. Nur das deutliche Gefühl, dass die Dinge ihr entglitten sind.


• MUSIKsein

Die Erinnerung wie in einem Film. Ein Musikfilm- Porträt der größten Band ihrer Zeit. Die Szene, ein Live-Mitschnitt, auf dem Höhepunkt, kurz vor dem Ende. Dieses Konzert gleicht der Raumfahrt in den Musikhimmel- für alle Teilnehmer unvergesslich. Ausgang tragisch.
Lampshade. Ich hatte von der Band zuvor noch nichts gehört und nun stand ich dort- auf ihrem allerletzten Deutschlandkonzert. Es war unglaublich- berauschend. Diese Sängerin- eine einzige nordische Klangschönheit. Sie kündigt einen Song in ihre „language of nature“ an und lässt ahnen: Sie ist die Fee inmitten des Geschehens. Sie hat ihre halb sterblichen Freunde mitgebracht. Alles spielt verrückt. Die Musik, die Band, die Menge. Die sanfte Feenstimme spricht von der Energie und Liebe, die zu ihnen hinauf dringt. Sie geben ein einziges Feuerwerk der Klänge. Auf dem Höhepunkt gleitet der Nachklang ihrer Stimme in einen Sog aus der gebündelten Kraft der Instrumente. Es scheint als lockten sie alle Energie und Schönheit aus ihren Instrumente. Alles wird verzaubert. Die Realität verschwimmt. Die Fußsohlen entfernen sich langsam immer weiter vom Boden bis der Geruch einer durchgebrannter Leitung die Menge wieder zurückholt. Die Musik verstummt. Mit einem lauten Knall fällt der Bass zu Boden. Der Gitarrist fordert die Menge auf sich im Kreis zu drehen. Alles erscheint absurd und geht sofort weiter. Jedes Innehalten zwischen den Songs, jeder Applaus- ein plötzliches Erwachen aus einer unbekannten Sphäre. Die Musik läuft weiter und es macht sich die Angst breit, dass das Konzert bald zu Ende sein könnte. Sie gehen von der Bühne. Ich stelle mir vor wie ich hier stehen werde und applaudiere bis alles um mich herum verstummt ist. Bis alle nach Hause gegangen sind. Ich bleibe dort stehen und werde die Hände klatschen. Dieser Moment darf nie zu Ende gehen. Das schmerzliche Bewusstsein, dass gerade das nahende Ende die Ursache für die Aggressivität, die Kraft, die Energie in der Musik ist, geht zunächst in der Klanggewalt einer noch berauschenderen Zugabe unter. Es wird die Erinnerung bleiben. Die Erinnerung an vielleicht das größte Konzert meiner Zeit. Unwiederholbar.